Line Krom
lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Line Krom übersetzt ökonomische Konzepte ins Visuelle. Sie thematisiert, wie Sparmassnahmen und Effizienzsteigerung aussehen und welchen Einfluss  Managemententscheidungen auf das Material haben. Sie fokussiert das System Kunst insbesondere, in dem sie die Auswirkungen von Fiskalpolitik und Prekarisierung im Kulturbetrieb an der Trage- bzw. Stützstruktur der Kunst (supporting structure) austestet.  So macht die Künstlerin in sinnlich nachvollziehbarer Weise auf die Auswirkungen von Sparmaßnahmen aufmerksam. Der Ausgangspunkt ihres konzeptuellen Ansatzes bildet das Sparen als ein wirtschaftswissenschaftliches Heilsversprechen. Sie setzt sich mit der Sinnhaftigkeit der vom Effizienzgedanken beherrschten Verhältnisse auseinander und ironisiert den Sparzwang, dem der Großteil des Kunstbetriebs unterworfen ist. 

In  der Werkgruppe "untitled (strippings)" untersucht Krom exemplarisch was passiert, wenn Leinwand eingespart wird. Die "untitled (strippings)" bestehen aus auf Keilrahmen aufgespannter, ungrundierter Leinwand, aus der in langwieriger Feinarbeit einzelne Fäden entfernt wurden. Das aus der Unternehmenswelt stammende Prinzip der Flexibilisierung führt hier auf den ersten Blick zu einem ungewünschten Ergebnis: die Leinwand wird als "Trägermaterial für Malerei" dysfunktional. Ferner führt die Sparmaßnahme zu einem wirtschaftlich nicht zu rechtfertigtbaren, enormen Zeitaufwand. Das eigentliche Ziel, also zu sparen, wird durch die hierzu erforderlichen Arbeitsmaßnahmen konterkariert, in sofern basiert die Umsetzung der "strippings" auf einem sozial- und institutionskritischen Ansatz. 

„Formalästhetisch stehen diese Arbeiten zwischen den ,Achromes‘  eines Piero Manzonis und den reliefhaften ,Concetti spaciale‘ eines Lucio Fontanas. Sie erinnern an das ,Weiße Quadrat auf weißem Gund‘ von Malevich, an die Serie der weißen Gemälde von Martin Kippenberger oder an das Licht in den Werken eines James Turell....  Mit ihrem konzeptuellen Ansatz entgrenzt Krom die Gattung Zeichnung und gelangt zu minimalistischen Bildfindungen zwischen Arte Povera und neoliberaler Beschäftigungstherapie.... Die stringenten Resultate sind voll spielerischer Leichtigkeit und zarter Schönheit.“ So der Frankfurter Kunsthistoriker und Kunstkritiker Ekkehard Tanner. 

Line Krom lebt und arbeitet in Frankfurt/M. Sie studierte am Wimbledon College of Art in London, an der Universität der Künste in Berlin, und an der Universität Frankfurt. Sie wurde mit einer Residency am Centre For Contemporary Art Kitakyushu in Japan bedacht um dort für neun Monate ein kollaboratives Zeichenprojekt zu realisieren. Sie wurde als Resident Artist an das Center for Drawing in London eingeladen um dort neue, experiementelle Zeichnungen zu entwickeln. Ihre Zeichnungen wurden mit dem prestigereichen Britischen Jerwood Drawing Prize und dem Prix des Arts Rotary Club Karlsruhe, Straßbourg, St. Louis ausgezeichnet

Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem der L. A. Art Book Fair, Los Angeles, dem BronxArtSpace in New York und dem Jerwood Space in London. In den letzten Jahren wurden ihre Arbeiten in der Freien Internationalen Akademie Amorbach (2018), der European School of Design in Frankfurt (2017), der Regionalgalerie Süd Regierungspräsidium in Darmstadt (2017), der Blyth Gallery in London (2016) und bei Boeckercontemporary in Heidelberg (2016) gezeigt. Einzelausstellungen werden in 2019 im Kunstverein Gießen und dem Nachtspeicher 23 in Hamburg zu sehen sein.

Parallel zu ihrer künstlerischen Tätigkeit verfolgt Krom eine kuratorische Praxis, die Projektplanung und Ausführung (Ausstellungen, Veranstaltungen, Publikationen), Forschung und Textproduktion und Kunstvermittlung umfasst. Gegenwärtig arbeitet sie am Institut für Kunstpädagogik der Goethe Universität in Frankfurt mit dem Schwerpunkt außerschulische Kunstvermittlung: Mediation von Sammlungen und Ausstellungen in Theorie und Praxis. Zuvor unterrichtete sie im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit an der Fachhochschule Darmstadt. Ihr Interesse galt der inklusiven Kunsteinrichtung in Theorie und Praxis. Mit dem Fokus auf Dekonstruktion von Hierarchien in Kunsteinrichtungen, um Schnittstellen zwischen Kunst und Sozialer Arbeit zu entwickeln.

 

 

 

 

 

 

Ausgewählte Besprechungen:

Alexandra Flieth : Internationale Künstler stellen ihre Werke zur Sexualität in der Klosterpresse aus

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Internationale-Kuenstler-stellen-ihre-Werke-zur-Sexualitaet-in-der-

Klosterpresse-aus;art675,2966311, April 2018


Ekkehard Tanner : Wo gehobelt wird fallen Späne.

www.schirn.de/magazin/schirn_tipp/line_krom_cutting_back_ausstellung_becker_frankfurt/; Mai 2017

Erhard Metz : Line Krom: „Cutting Back to Look Better“ – Installation im Frankfurter Ausstellungsraum

Becker www.feuilletonfrankfurt.de/2017/04/28/line-krom-cutting-back-to-look-better-installation-imfrankfurter-ausstellungsraum-becker/; Mai 2017

Roland Held : Verfremdetes Spielzeug, gerupfte Leinwand: Werke von Helmut Werres und Line Krom in

Darmstadt, http://www.echo-online.de/freizeit/kunst-und-kultur/ausstellungen/darmstadt/verfremdetes-spielzeuggerupfte-leinwand-werke-von-helmut-werres-und-line-krom-in-darmstadt_17684717.htm ; March 2017

Bettina Kneller : Das rote Spielzeugauto. In Main Echo, 15. Februar 2017

Ausstellung zu Werken von Line Krom und Helmut Werres

 http://www.main-echo.de/regional/rhein-main-hessen/art4013,4393961; Januar 2017

Die Klosterpresse in Blau getaucht http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Die-Klosterpresse-in-Blau-getaucht;art675,2110259, Juli 2016

Interview mit Line Krom über Ihr Projekt „Ghost Tours“ in Offenbach

https://www.audioguide.me/interview-mit-line-krom-ueber-ihr-projekt-ghost-tours-in-offenbach/, Juli 2015

Heiner Schultz : Line Krom zeigt in der Galerie Unterer Hardthof ihre Arbeiten "Strippings"

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kultur/line-krom-zeigt-in-der-galerie-unterer-hardthof-ihre-arbeitenstrippings_15183535.htm, April 2015